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Gleich geboren. Ungleich erlaubt.
Es gibt Dinge im Leben, die du dir nie ausgesucht hast, und die trotzdem fast alles bestimmen.
Wo du geboren wurdest, sagt nichts darüber aus, wer du bist. Und doch entscheidet dieser eine Zufall mit darüber, welche Türen sich dir öffnen und welche verschlossen bleiben.
Ein Pass ist so etwas wie ein Geschenk, das man von Geburt an mitbekommt: Du hast ihn, weil jemand vor dir an einem bestimmten Ort gelebt hat, nicht weil du etwas dafür getan hast.
Mit manchen Pässen reist man fast überall auf der Welt frei, mit anderen kaum in ein paar Dutzend Länder. Nicht, weil die einen Menschen mehr wert sind, sondern allein wegen der Stelle, an der sie zur Welt kamen.
Jedes Jahr sterben viele Menschen dabei, eine solche Grenze zu überqueren. Nicht, weil sie etwas Böses getan hätten. Nur wegen eines Zufalls.
Und die Linie nützt nicht allen gleich. Wer keine sicheren Papiere hat, beschwert sich nicht über den Lohn und meldet keinen Unfall, aus Angst, alles zu verlieren. So hält die Grenze Arbeit billig und Menschen leise. Und solange viele auf die schauen, die noch weniger haben, fragt kaum jemand, wer eigentlich die Mieten so teuer und die Löhne so niedrig hält.
Das ist kein Naturgesetz, das einfach so über uns gekommen ist. Es sind Linien, die Menschen gezogen haben, und was Menschen gezogen haben, können Menschen auch anders denken.
Niemand sollte über das Leben eines anderen bestimmen dürfen, bloß weil er das Glück hatte, an der richtigen Stelle geboren zu sein. Menschen können ihr Zusammenleben gemeinsam regeln, auf Augenhöhe, freiwillig, ohne dass einer über die anderen herrscht.
Es geht nicht darum, alles einzureißen. Es geht um die leise Frage, ob das wirklich so sein muss, und ob wir gemeinsam nicht etwas Wärmeres, Gerechteres finden könnten.
Vielleicht beginnt alles ganz schlicht damit, dass man sich erlaubt zu spüren: Das ist nicht fair, und es dürfte schöner sein.