08 / 18

Zwölf Jahre lang übst du, zu gehorchen.

Es klingelt, alle setzen sich. Du meldest dich, wenn du reden willst. Du fragst, ob du auf die Toilette darfst, mit sechzehn.

Das kommt dir normal vor, weil du es seit der ersten Klasse so kennst. Aber es ist kein Naturgesetz, es ist eingeübt.

Schule bringt dir viel bei, und das ist echt wertvoll. Daneben läuft aber etwas Zweites mit: stillsitzen, tun, was angesagt wird, auch ohne Sinn.

Eine Note misst selten, ob du etwas verstanden hast. Oft misst sie, wie gut du dich fügst, und sortiert dich neben den anderen ein.

Worüber du zwölf Jahre lernst, hast nicht du entschieden, sondern Leute weit oben, die du nie triffst. Wie sie über dein Leben bestimmen, steht in keinem Lehrplan.

Das nützt nicht in erster Linie dir, sondern einer Welt, die später Menschen braucht, die Anweisungen befolgen und nicht zu viel fragen.

Das heißt nicht, dass deine Lehrer böse sind. Die meisten stecken selbst fest, mit zu großen Klassen und zu wenig Zeit.

Es gibt Schulen, in denen Kinder mitbestimmen, was und wie sie lernen, und Regeln gemeinsam machen. Lernen aus Neugier fühlt sich nicht wie Befolgen an.

Niemand ist geboren, um zu gehorchen, auch kein Kind. Und was Menschen eingerichtet haben, können Menschen auch anders einrichten.

Lernen könnte sich frei anfühlen, nicht wie Befolgen. Und du bist mit dem Gedanken nicht allein.